Der niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann hat vorgeschlagen die Provider von Internetzugängen dazu zu verpflichten Kinderpornographie zu Filtern. Seiner Vorstellung nach soll das über einen beim Benutzer installierten Filter gehen. Der Provider soll dann, bevor sich der Benutzer im Netz des Providers einloggen kann, überprüfen ob dieser den Filter auch aktiviert hat.
Wenn wir jetzt einfach mal von der technischen Umsetzbarkeit dieser “Lösung” absehen dann stellt sich mir die Frage warum wir nicht gleich ein neue Stasi gründen. Gut die würde dann zumindest zu Anfang nicht gleich auf politische Gesinnung sortieren, aber man kann wohl warten das sich innerhalb kürzester Zeit auch Rechtsextremismus auf der Filterliste befindet.
Jetzt aber mal eigentlichen Problem dieser Schnapsidee. Die Technik könnte da ein wenig Probleme machen. Laut Schünemann sei seine Lösung noch am leichtesten zu realisieren, im Gegensatz zu dem Sperren von verdächtigen IP Adressen oder gar dem ändern des DNS.
Keine dieser Möglichkeiten ist für die Provider(ISP) umsetzbar. Ich will also kurz erklären warum. Zuerst einmal die am besten mögliche Methode.
IP Adressen:
Hier stellt sich das Problem das es für IP Adressen keine Zentralverwaltung gibt nur für deren Vergabe ist eine Paneuropäische Institut zuständig, an diese kommt die deutsche Rechtsprechung glücklicherweise nicht so einfach ran. Die IP Adressen die schon vergeben sind werden allerdings von den Providern selbst verwaltet und da gibt es ein paar mehr im deutschen Raum, in etwas 300 bis mehrer tausend, je nachdem wie groß man den Maßstab setzt.
Man wäre also auf die Kooperation aller dieser Unternehmen angewiesen, und auch dann hat man nur dann eine Sperrungsgarantie wenn die zu sperrende IP aus dem Netzt des jeweiligen ISP´s kommt. Sonst kann man ja einfach über z.b. Tor einen Tunnel nach Außen bauen. Und schon ist die Sperrung durch die deutschen ISP´s umgangen.
Außerdem entsteht den ISP´s ja auch ein gewaltiger wirtschaftlicher Nachteil wenn sie wieder andere IP´s sperren müssen. Das hat man ja auch schon bei der Vorratsdatenspeicherung gesehen. Dafür mussten die ISP´s Unmengen an Speicherplatz vorhalten. Das war sicher nicht billig, aber über diese Kosten hat sich bei der Gesetzgebung eigentlich keiner Gedanken gemacht und so blieben die ISP´s auf ihren Kosten sitzen.
DNS Änderungen:
Zuerst mal kommt die deutsche Rechtsprechung an die meisten großen DNS Server gar nicht ran. Vor allem weil alle Zentralinstanzen in den USA stehen. Im Rest der Welt gibt es nur Unterinstanzen, die allerdings nicht unabhängig Funktionieren können.
Außerdem ist dies “Sperrung” dermaßen leicht zu umgehen das es nicht mehr feierlich ist. Man muss nur die IP des jeweiligen Webservers verbreiten. Gut die kann man sich nicht so leicht merken, aber ich denke auch die meisten nutzer von Kinderpornographie haben schon mal was von Bookmarks gehört. Wenn nicht gibts immer noch Stift und Papier. Eine 4 x 3 stellige Zahl kann man sich schon aufschreiben.
Versucht es einfach mal
74.125.39.103
oder
http://www.google.de/
Sollte egal sein was ihr eingebt ihr werdet bei Google rauskommen. (Kann sein das es in manchen Regionen anders ist, da Google mehrer Server hat. Ihr bekommt aber immer den Nähesten.)
Filter:
Zuerst ein mal ist zu sagen das der Vorschlag dermaßen unausgegoren ist das man ihn nur schwer mit einem Szenario beschreiben kann.
Zunächst stellt sich mal die frage wo man den Filter überhaupt Installieren soll. Wenn ich den werten Herren richtig verstanden habe, dann will er das der Filter beim Endverbraucher Installiert wird. Die ISP´s sollten dann vor jedem Login des Kunden prüfen ob der Filter auch aktiv ist.
Das Problem ist nun das ich Heutzutage kaum noch ein Computer direkt bei seinem ISP anmeldet, das machen für gewöhnlich die Router oder eben externe DSL Modems. Auf diesen lässt sich allerdings keine sonderlich komplexe Filtersoftware installieren. Um genau zu sein kann man da für gewöhnlich gar nichts Installieren.
Gehen wir also einfach mal davon aus das die Filtersoftware auf den Endgeräten installier sein soll. Dann schlägt uns gleich das nächste Problem entgegen. Es gibt nämlich ein paar mehr Internet fähige Geräte als nur PC´s. Man denke nur an Internet – Radios oder ähnliche standalone Geräte. Außerdem haben wir da noch die Ganzen Unix (Linux & Co) PC´s. Und letztendlich auch die immer mehr präsenten Internethandys oder auch Smartphones. Um als0 einen fairen und freien Markt zu gewährleisten müsste die Filtersoftware für alle Betriebssysteme dieser Welt verfügbar sein. Außerdem müssten verschieden leistungsfähige Versionen der Software entwickelt werden, sie muss schließlich auch auf Systemen mit kaum Ressourcen, wie z.b. Handys, laufen. Schließlich darf der Gesetzgeber keine Firma bevorzugen und müsste daher auch noch für ein gleichzeitiges und für alle Bürger gleich verfügbares Update sorgen. Tut er dies nicht kann er den Filter auch gleich vergessen weil er sonst so durchlässig ist wie ein Häufchen Vakuum.
Um also mal wieder ein vernichtendes Fazit auch Politiker + Technik zu ziehen.
Für 95% aller Politiker scheint die Technik ein magischer Schimmer am Horizont zu sein, der im besten fall irgendwie im schlechtesten nach ihren Vorstellungen funktioniert. (Wind und Wetter spielen bei dieser gleichung je nach Tageszeit allerdings auch eine nicht zu vernachlässigende Rolle)