Lebenslauf == Ablasshandel
- July 20th, 2010
- Posted in Weltanschauung & Religion
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Jedem der schon mal Studiert hatt bzw. auf irgend einer Fortbildung war ist dieser Satz sicher schon mal begegnet:
“Das macht sich gut im Lebenslauf.”
Viele werden wie ich diesen Satz hassen gelernt haben. Er folgt in etwa der Mentalität: “Ich weiß zwar nicht was ich hier tue aber für irgendwas wird es schon gut sein. Und wenn ich es nur auf ein Blatt Papier schreiben kann um mein Ego weiter aufzublasen.”
Aber ich scheine nicht das ganze Ausmaß diese Phänomens begriffen zu haben. Als ich diese Thema nämlich vor kurzem bei einem mir bekannten Theologen zur sprache brachte, eröffnete er mir das es sich dabei ja um eine moderne Form des Ablasshandels handeln könnte.
Diese Konzept hatt mich so Fasziniert das ich es jetzt einfach niederschreiben muss. Bedenkt das ich hier immer von einem vor dem Studienabschluss gefüllten Lebenslauf ausgehe. Also von einem der eigentlich leer sein sollte.
Ein Ablass ist genau wie ein Lebenslauf eine Investition in die ungewisse Zukunft. Die erfolge eines gefüllten Lebenslaufs sind auch nahezu genau so schwer messbar wie die eines Ablasses. (Ich mein hier nicht die Jenseitigen effekte eines Ablasses sonder die rein Realen.) Sicher beide geben ein wohliges Gefühl etwas für die eigene Zukunft getan zu haben. In manchen bereichen des Lebens, vor allem bei Eliten mag einen ein gut mit Unsinn gefüllter Lebenslauf auch weiterbringen aber das gleiche gilt für den Ablass. Wer würde denn nicht lieber mit einem resozialisierten Sünder als mit einem säumigen Sünder zu tun haben?
Es gibt noch mehr Korellationen. So wird es z.B. auch immer häufiger das Veranstaltungen oder Arbeiten, Leistung also, damit beworben werden das sie sich im Lebenslauf gut machen würden. Man erhält also, wie beim Ablass, für einen gewissen Preis die unsichere Gewisseheit sich einen Vorteil erkauft zu haben.
Ablass- und Lebenslaufhandel sind also durchaus vergleichbar. Was allerdings wesentlich besorgnisserregender ist als diese Parallelen ist die Tatsache das sich dieser Lebenslaufzwang in der Gesellschaft wie ein Lauffeuer ausbreitet und festfrisst wie ein Dogma.
Niemand scheint den Zwang zum gefüllten Lebenslauf noch in Frage zu stellen, weder die die ihn erbringen müssen noch die die ihn erwarten. Es scheint kaum noch jemand in Frage zu stellen ob sich ein komplexes und bewegtes Leben überhaut auf ein oder zwei seiten Papier darstellen lässt. Bzw. ob man es überhaupt versuchen sollte.
Kein Lebenslauf wird zuverlässig oder auch nur im Ansatz genau das Leben eines Menschen wirderspiegeln können. Schon alleine deshalb weil niemand es wagen wird in unserer weichgewaschenen Optimistengesellschaft Fehlschläge oder andere scheinbar negative Aspekte unseres Lebens einzufügen bzw. gar zu erläutern.
Hoffen wir also das wir nicht erst einen zweiten Luther und 30 Jahre Krieg brauchen um uns von dieser Zwangsvorstellung zu befreien.
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