eBooks und ihr Versagen am Markt
- June 7th, 2011
- Posted in Hardware . IT . Wirtschaft
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Als einer der Wenigen besitzer eines eBook reader in Deutschland ist es mir im vergleich zu einigen Verlagen leider kein Rätsel warum sich eBooks nur so schleppend am Deutschen Markt etablieren.
Aber zunächst mal die Grundlagen: Es wurden bis mitte 2011 ca. 450.000 eReader verkauft. Wenn wir also annehmen das keines der Geräte aus Aufrüstungsgründen gekauft wurde dann haben bis jetzt also 0,5% der Deutschen einen eReader gekauft. Eigentlich erschreckende wenige wenn man bedenkt wie viele Leute ein Buch besitzen.
Was also ist für dermaßen geringe Verkaufszahlen verantwortlich? Zum einen natürlich sind da ein paar technische Hürden die es noch zu überwinden gilt. So sind die meisten eReader mit wissenschaftlichen Texten und anderer Fachliteratur, welche normalerweise im pdf Format herausgegeben wir, hoffnungslos überfordert. Außerdem erlaubt ein einseitiges Lesegerät kein wissenschaftliches Arbeiten, dazu wären schlielich mehrere Seiten von Nöten.
Diese Beschränkungen sind jedoch für einen großen Teil des Literaturmarktes, namentlich die Belletristik irrelevant. Dort ist es völlig ausreichend ein Buch von Vorne bis Hinten durchlesen zu können. Um also zu verstehen muss man sich von der Hardware abwenden und zum eigentlich relevanten Teil des elektronischen Buches blicken. Dem Inhalt. Und hier stößt man recht schnell auf die Akzeptanzgrenzen der Nutzer.
Die beiden Haupthemmschuhe die sich die Industrie selbst angelegt hat sind Buchpreisbindung und DRM, in genau dieser Reihenfolge.
Buchpreisbindung für eBooks läuft zum Einen ihrem eigenen Existenzzweck zuwieder zum Anderen verbietet sie es den Händlern sich zu Profilieren. Denken wir einmal zurück ins Jahr 1888 als die Buchpreisbindung zum ersten mal eingeführt Wurde. Damals wurde Argumentiert das Bücher überall (also in jedem Laden, egal ob auf dem Land oder in der Stadt) das gleiche Kosten müssten damit der Ländlichen Bevölkerung der Zugang zu Bildung nicht verwehrt bliebe.
Diese Lokalitätsabhängigkeit ist natürlich bei einem eBook nicht mehr gegeben. Es bereitet schließlich, von der Sprachbariere abgesehen, keinen mehraufwand ein Buch bei amazon.co.uk anstatt bei amazon.de zu kaufen. Oder um in Deutschland zu bleiben: Ob sie ihr Buch von einem Server in Köln oder von einem Server in Berlin beziehen ist ihnen nicht nur egal, sie können für gewöhnlich nicht mal unterscheiden was denn bei ihrem Einkauf eigentlich der Fall war.
Das andere Problem der Buchpreisbindung ist die Diktierte null elastizität. Soll heißen das Angebot wird nicht duch Nachfrage sondern duch den Anbieter bestimmt. In einem hoch transparenten Umfeld wie dem Internet, in dem es dem Nutzer kaum Aufwand bereitet Preise zu vergleichen ist das nicht nur Wettbewerbsschädigend es macht Wettbewerb mit herkömmlichen Mitteln (Preis) unmöglich.
Darüber hinaus degradiert sie, zumindest in ihrer Aktuellen ausprägung, eReader zu überteuerten Bücherregalen. Schließlich verlangen die Verlage im Moment für ihre eBooks genau so viel wie für die billigste gedruckte Ausgabe. Bei Neuerscheinungen kann das dazu führen das ein eBook für den Preis einer Hardcoverausgabe verkauft werden soll. Der Kunde wird also doppelt fürs Papier zur Kasse gebeten. Auch wenn er es beim Buchkauf nicht einmal bekommt.
Damit sich der Kauf eines eReaders amortisieren kann müssen die angebotenen Inhalt günstiger sein als die bei denen man das Medium miterwerben muss. Werfen wir also kurz einen Blick in die USA. Dort werden eBooks für ca. 2-3$ Verkauft. Bei einem Preis von 2€ je eBook hätte sich ein Lesegerät das ca. 200€ kostet nach etwa 25 eBooks amortisiert. Jeder weitere kauf spaart also effektiv den Medienpreis ein.
Da in Deutschland die eBooks von Verlagen jedoch keine Einspaarungen zulassen wird sich ein eReader mit in Deutschland verlegten Inhalten nicht wieder einspaaren lassen. Eine anschaffung würde sich also nur bei anderweitiger Nutzung rechnen.
Der zweite nicht ganz so große Stolperstein der jedem potentiellen Kunden von den Verlagen in den Weg gelegt wird ist zwar noch nicht so Problematisch (da es eh kaum Käufer gibt) aber aus rechtlicher sicht schließt er jeden ehrlichen Kunden aus. Das grundlegende Problem bei DRM sind nicht etwa die zu erwartenden technischen Schwierigkeiten für den Nutzer sondern die sich zwarngsläufig ergebenden Rechtlichen.
Denn: Kein Kopierschutzdienst wir ewig leben. Und wenn es so weit ist das ein Dienst seine Pforten schließen muss muss selbst der vermeintlich ehrbare Kunden zu illegalen Mitteln greifen um sein erworbenes Nutzungsrecht zu sichern. Es ist also von einem rechtlichen Standpunkt aus keine Frage ob der Nutzer zu illegalen Mitteln greift. Es stellt sich lediglich die Frage ob er Heute oder Morgen zum Piraten wird.
Alles in allem verschenkten die Verlage hier also bares Geld indem sie ihre Kunden lieber wie Verbrecher behanden. Den gleichen Fehler hat auch schon die Musikindustrie gemacht und teuer dafür bezahlt. Wir werden also sehen wie lange es noch dauert bis auch die Verlage in der Gegenwart ankommen.
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